Demokratie von Anfang an

Am 29. August 2019 hatte die „Partnerschaft für Demokratie Bremen“ ins Jugendzentrum Findorff zu einem Fachvortrag zum Thema „Von Anfang an – Demokratische Bildung in Kitas“ von Jessica Schuch, Fachberaterin bei der BEK eingeladen. Sie gestaltete den Vortrag sehr abwechslungsreich und interaktiv. Nach der Frage, wie politisch Fachkräfte handeln und der Antwort, dass sie immer, ob bewusst oder unbewusst Vorbild sind und somit auch politisch handeln, wurde das Publikum aufgefordert Sätze wie „Unter Demokratie verstehe ich….“ oder „Wenn ich in die Gesellschaft schaue, …“ zu vervollständigen und in einer 2-Minuten-Lesung konnten alle, die wollten, ihre Sätze vorlesen.

Kinder können Demokratie nur durch Handeln erfahren und lernen. Dazu brauchen sie Erwachsene, die ihnen Möglichkeiten zur Partizipation bieten, denn Demokratie ist eine Politik der Zugehörigkeit und Partizipation somit eine Bedingung für Demokratie. Sie brauchen Erwachsene, die reflektiert mit ihrer Macht umgehen, denn immer dort, wo eine ungleiche Abhängigkeit besteht, ist auch ein Machtgefälle vorhanden. Die Kinder brauchen Erwachsene, die den Einfluss und die Verteilung der Entscheidungsmacht auf Leitung, Träger, Fachkräfte, Eltern und Kinder immer wieder reflektieren und der aktuellen Situationen anpassen. Es geht also um Aushandlungsprozesse und nicht um Befehlen und Gehorchen, es geht aber auch um die Gratwanderung zwischen Partizipation und Fürsorgepflicht, denn Beteiligung muss immer an den Kompetenzen der Kinder ausgerichtet sein und darf sie nicht überfordern. Kinder brauchen Zeit, um Zusammenhänge zu verstehen und sich eine fundierte Meinung bilden zu können, dabei geht es auch immer um anschauliche und begreifbare Vermittlung, und kein theoretisches Darüber-Reden.

Partizipation geschieht überall dort, wo Kinder Einfluss nehmen können, beim Freispiel etwa, wenn sie sich frei für Ort, Art, Dauer und Mitspielende entscheiden können, aber auch in von der Politik entlehnte Formen der Mitbestimmung wie das Kinderparlament oder eine Kita-Verfassung. Partizipation und somit Demokratiebildung muss von allen gewollt und anerkannt werden, um zu wachsen und da dies immer auf Gleichberechtigung beruht, ist eine demokratische Kita nicht das Ende aller Konflikte, sondern ein bewusster und anderer Umgang damit.

Zwei Ansätze für mehr Demokratie in Kitas versprechen einmal die „Kinderstube der Demokratie“ („Das Praxisbuch: Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita, von R. Hansen und R. Knauer; oder auch „Partizipation in Kindertageseinrichtungen. So gelingt Demokratiebildung mit Kindern, von R. Hansen. R. Knauer und B. Sturzenhecker) und das aus dem Situationsansatz entwickelte Programm „Bestimmt bunt – Vielfalt und Mitbestimmung in Kitas“. Sicherlich vielen bekannt sind auch die kleinen Bücher von „Leon und Jelena“ (z.B: „Leon und Jelena – eine Baustelle für die Krippis“ von R. Hansen und R. Knauer), die anschaulich zeigen, wie auch die Kleinsten auf ihre Weise mitbestimmen können.

Nach dem Fachvortrag, der sicher jedem einige Denkimpulse mit nach Hause gegeben hat, gab es noch eine Talkrunde mit verschiedenen Fachkräften aus der Praxis, bei der es um die konkrete Umsetzung von Partizipation und Demokratiebildung ging.