Online-Fachgespräch im Rahmen der Reihe "Kinder und Familie in 2020"

Eingewöhnung unter Pandemiebedingungen

Eine Veranstaltung des Paritätische Gesamtverbandes am 02.09.2020 mit Katrin Macha, Leiterin der Abteilung Qualitätsentwicklung und Evaluation des Instituts für den Situationsansatz und Raimund Schröter, Fachberater beim Paritätischen Thüringen:

 

Die letzten Monate wurden von den Kitateams der Elternvereine mit viel Engagement und Kreativität gemeistert und vieles ist anders gelaufen als in den Jahren zuvor. Und so wird das „willkommen heißen“ der Kinder und ihrer Familien ebenso wie die Abschiedsrituale vor den Ferien unter besonderen Bedingungen geschehen müssen.

 

Seit April haben wir mehrere Reaktionsstufen durchlaufen – von der Schließung, über ein Notbetreuungsangebot, hin zum eingeschränkten Regelbetrieb. Und dieser hält auch jetzt, mit vorbeugendem Infektionsschutz, noch weiter an. Wir befinden uns immer noch in der Pandemie und in der Rückschau hatten wir es schon seit März mit wiederkehrenden Eingewöhnungsprozessen zu tun. Denn Eingewöhnungsprozesse sind nichts anderes als Veränderungsprozesse. Das einzige was in der Vergangenheit seit März Bestand hatte, waren kontinuierliche, sehr kurzfristig angekündigte Veränderungsprozesse.

 

Die Eingewöhnung lässt sich unterscheiden in so genannte Mikro- und Makrotransitionen. Es gibt die großen Übergänge, die zurzeit in allen Kitas geschehen, wenn die Kinder von der Familie in die Kita kommen. Es gibt aber auch zahlreiche Mikrotransitionen. Hierzu zählen die Übergänge in Alltagssituationen, die unter Pandemievorschriften immer wieder neu und flexibel gehandhabt werden mussten und heute noch müssen. Und vielleicht haben es die ein oder anderen pädagogischen Fachkräfte heute nicht nur mit Neueingewöhnungen zu tun, sondern auch mit Wiedereingewöhnungsprozessen, wenn Kinder vor dem Lockdown noch nicht richtig angekommen waren und ihnen daher erneut ein ganz besonderes Augenmerk zukommen muss.

 

Klar ist: Auch Corona-Bedingungen darf die Qualität der Eingewöhnung nicht leiden, wenngleich der pädagogische Alltag und die Zusammenarbeit mit Eltern derzeit noch eingeschränkt ist und das Eingewöhnungskonzept nicht wie in den Vorjahren umgesetzt werden kann. Die Zusammenarbeit mit den Eltern verändert sich, weil die Kontakte zwischen Fachkräften und Eltern von Hygienevorschriften geprägt und der vorbereitende Austausch vor der Eingewöhnung vielleicht aufgrund der Pandemie wegfallen musste.

 

Dabei ist der Austausch mit den Eltern gerade jetzt umso wichtiger und ist die Basis für einen gelingenden Eingewöhnungsprozess. Denn es ist wichtig zu erfahren, wie die Kinder und ihre Familien die Monate der Krise verbracht haben, welche Auswirkungen die Coronazeit auf die Familie hatte und wie es den Kindern in dieser Zeit ergangen ist. Denn bei allem was wir tun, begleitet und prägt dieses Thema unsere Arbeit und wir sind herausgefordert, mit Unsicherheiten umzugehen und individuelle Erfahrungen zu berücksichtigen. Zu wissen, ob die Familie mit besonderen Stress- oder Belastungssituationen durch Corona konfrontiert wurde oder eine durchaus positive Familienzeit erlebt hat, ist nicht nur wichtig, um mögliche Bedürfnisse der Kinder zu erkennen, sondern auch um die gegenseitige Beziehung in der Erziehungspartnerschaft zu stärken. Möglicherweise kann die Zusammenarbeit durch den Einsatz digitaler Medien für den gemeinsamen Austausch noch unterstützt werden oder andere kreative Lösungen für Orte des Austausches gefunden werden.

 

Aus meiner Sicht sollte auch im Team wiederkehrend über die aktuelle Situation und somit über eigene Erfahrungen und Sorgen gesprochen werden, um die Bedürfnisse der einzelnen Teammitglieder in Einklang zu bringen und im Alltag nach Möglichkeit zu berücksichtigen.

 

Grundsätzlich benötigt die Eingewöhnung unter diesen besonderen Bedingungen auch Freiräume, Zeit und Ruhe, um den Blick auf das Wesentliche zu richten: Den Beziehungsaufbau zum Kind und zur Familie und ein behutsames Miteinander, auch unter Hygieneregeln.