Kinderrechte ins Grundgesetz, damit...

...die Gerechtigkeit ihren Platz erhält

Was ist Gerechtigkeit? Diese Frage beschäftigt uns und auch die Kinder ständig. „Das ist ungerecht!“ ist sicher ein häufig gehörter Einwurf im Kita Alltag. Eine Ungerechtigkeit möchte ich hier thematisieren, weil wir im Seminar „Resilienz und Ressourcen bei Kindern erkennen und fördern“ darüber heftig diskutiert haben: die mangelnde Geschlechtergerechtigkeit in der Alltagssprache. Mit welcher Berechtigung wird die Unterschiedlichkeit der Geschlechter im sprachlichen Ausdruck auf die männliche Form minimiert. „Meine Kollegen“, Meine Mitarbeiter“ – obwohl im Kita Bereich über 90% Frauen arbeiten? „Die Erzieher unseres Kindergartens…“ ist in einer Konzeption zu lesen. In welchem Kindergarten arbeiten ausschließlich männliche Fachkräfte? „Wir fragen dann den Busfahrer, wo wir aussteigen müssen.“ oder „Am besten gehen Deine Eltern mit Dir zum Arzt.“ – sollen diese Berufe für die Mädchen in der Gruppe gar nicht vorstellbar sein? Sprache schafft Realität. Wenn ich Bus sage, entsteht unwillkürlich in Gedanken ein Bild von einem Bus. Wenn ich Busfahrer sage, sitzt ein Mann am Steuer. Es gibt mittlerweile viele Busfahrerinnen, Straßenbahnfahrerinnen. Die werden sprachlich unterschlagen, wenn ich das -innen weglasse. „Die sind doch mitgemeint!“ ist eine häufige Antwort, wenn ich das problematisiere. Wie in dem Seminar, wo gerade die jungen Erzieherinnen sagten, das würde ihnen überhaupt nichts ausmachen, wenn das -innen fehlt.

Wenn das eine private Ansicht ist, kann ich das nur (betrübt) akzeptieren, für den professionellen Alltag nicht! Sozialpädagogische Fachkräfte haben einen Erziehungsauftrag von gesellschaftlichem Stellenwert zu erfüllen. Dazu zählt, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen – für mehr Geschlechtergerechtigkeit!

 

Ein spannendes Musikvideo zu diesem Thema findet Ihr hier.

 

Herbert E. Förster

 

...Kinder endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen gebührt!

Warum gibt es den Satz „Auch Kinder sind Menschen“? Warum muss extra darauf hingewiesen werden, dass auch Kinder Rechte haben? Mit der Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz ist zu hoffen, dass es in das Kollektivbewusstsein übergeht, dass Kinder ganz selbstverständlich dazu gehören, gehört werden und somit endlich eine stärkere Stimme bekommen. Rund 16 % der Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt, das ist jeder sechste Mensch in Deutschland!

Mehr Aufmerksamkeit für die Kinder beinhaltet zwei wesentliche Aspekte, einmal den Schutz der Kinder und einmal das Recht der Partizipation. Besonderen Schutz brauchen Kinder, da sie noch nicht so wie Erwachsene für ihre Rechte und Bedürfnisse einstehen und kämpfen können. Sie sind viel abhängiger von Erwachsenen, die noch dazu die Macht haben. Das kann eine Zwickmühle sein, die Aufmerksamkeit braucht, um nicht missbraucht zu werden. Teilhabe und Partizipation fangen mit guter Bildung an, es braucht Demokratiebildung von Anfang an. Kinder müssen die Möglichkeit bekommen, Mitbestimmung zu lernen und zu erleben. Leider können sie erst mit 16 bzw. 18 Jahren wählen gehen, hier ist ihre Mitbestimmung aufgrund des Alters eingeschränkt. Deshalb brauchen sie besondere Aufmerksamkeit und Erwachsene, die in ihrem Sinne entscheiden und für sie einstehen, wo sie es selbst noch nicht können oder dürfen.

 

Wibke Hansen