Online-Fachgespräch im Rahmen der Reihe "Kinder und Familie in 2020"

Kindertagesbetreuung zwischen Kindeswohl und Infektionsschutz

mit Prof. Dr. Dominik Schneider am 13.08.2020

 

Der Experte und Vorstand der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften) bot den TeilnehmerInnen zunächst einen fachlichen Input und ermöglichte ihnen dann, gezielt Fragen zu stellen. An dem Fachgespräch beteiligten sich überwiegend Kita-Leitungen.

 

Einleitend lobte Herr Dr. Schneider die pädagogischen Fachkräfte für ihre gute Arbeit und versichert ihnen, dass sie von den Kinderärzt*innen dafür sehr geschätzt werden. Zu Beginn der Pandemie wurden die Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe vergessen. Man übersah das Recht auf Teilhabe am Leben.

 

Inzwischen habe sich herausgestellt: Kinder sind keine „Virenschleudern“. Zwar gibt es bezogen auf die Gesamtbevölkerung steigende Fallzahlen, aber es handelt sich um Infektionen in der Fläche und nicht unbedingt um Hotspots. Man könne sich das so vorstellen wie einen Waldbrand, der aufgrund von Funkenflug entsteht. Mit hygienischen Konzepten gilt es nun neue Brandherde also Funkennester zu verhindern. Kinder treiben nicht die Pandemie voran, denn es sind leichte Verläufe bei Kindern. In keinem Bundesland hat die Öffnung zu einer Zunahme von Infektionszahlen geführt, sofern die Hygiene Regeln eingehalten wurden. Funkenflug wird von den Erwachsenen eingetragen. Infektionen in Kindertageseinrichtungen wird zukünftig nicht zu verhindern sein, aber Kinder stehen am Ende einer Infektionskette. Mit den „AHA Regeln“ im Kopf und im Handeln werden Kinder geschützt. Durch das kleinere Ausatmungsvolumen bei Kindern stecken sie sich schlechter an und geben es seltener weiter .

 

Zukünftig geht es darum, dass Erwachsene strikt die AHA Regeln, auch zum Beispiel bei Team-Besprechungen in einem Raum einhalten, Mitarbeiter*innen sollen sich selbst beobachten und bei Symptomen sofort zu Hause bleiben. In der Arbeit mit Kindern tragen sie in der Regel keine Masken, können daher nur auf Abstand achten. Ein Abstand zwischen den Gruppen, räumlich und personell, hilft bei einer festen Gruppenzuordnung und ist besonders bei steigenden Fallzahlen notwendig. Angebotene Visiere für Fachkräfte schätzt Herr Dr. Schneider als wirkungsarm ein. Für Kinder gilt: es gibt keinen Mund-Nasen-Schutz, sie waschen regelmäßig die Hände, üben die Nies- und Hustetikette. Kinder sollten möglichst viel draußen sein, denn Spielplätze sind ungefährlich. Kinder sollen nicht getestet werden, denn das Testen ist für Kinder schmerzhaft und bleibt in schlechter Erinnerung.

 

Bei Auftreten von Ansteckungen soll nicht gleich die ganze Kita geschlossen werden, sondern die jeweilige Gruppe. Kinder werden im Herbst und Winter wahrscheinlich mehr Infekte und Symptome entwickeln, aber es gibt viel häufiger Viren, die mit Erkältungskrankheiten zu tun haben, als mit Corona. Daher sollten Kinder lt. Dr. Schneider bei Schnupfen Symptomen zunächst 24 Stunden zu Hause bleiben. Treten keine weiteren Symptome hinzu, kann das Kind wieder in die Kita.

 

Die Teilnehmer*innen an diesem Fachgespräch stellen ihre Fragen:

 

Können Kinder noch an der Nahrungsmittel Zubereitung beteiligt werden? Dr. Schneider bejaht die Frage. Wahrscheinlich werde das die Pandemie nicht vorantreiben. Auf jeden Fall sollten die Kinder vorher die Hände waschen.

 

Helfen Co2 Sensoren bei der Kontrolle der Luftqualität?

 

Nach Ansicht von Dr. Schneider helfen die Sensoren nicht. Viel besser hilft es, Fenster zu öffnen. Falls Ventilatoren genutzt werden, sollen diese die Luft raus blasen.

 

Sind Kinder mit Einschränkungen besonders gefährdet?

 

Vorerkrankungen müssen individuell vom Facharzt/von der Fachärztin angeschaut werden und eine Gefährdung muss so von Spezialisten beurteilt werden.

 

Wie lange müssen Mitarbeiter*innen aus „Risikogruppen“ von Kindern ferngehalten werden?

 

Risiko-Mitarbeiterinnen werden nicht unbedingt von Kindern angesteckt, denn die Erwachsenen stecken die Erwachsenen an - also Vorsicht vor allem bei den Kontakten mit anderen Erwachsenen. Der Betriebs Mediziner hat zu entscheiden, welche Personen zur Risikogruppe gehören.

 

Können größere Personengruppen in den Kindergarten eingeladen werden?

 

Sich draußen zu versammeln ist ungefährlich. Elternabende Abende und ähnliche Veranstaltungen in begrenzten Räumen sind zurzeit nicht zu empfehlen. Auf jeden Fall sind immer die AHA-Regeln einzuhalten. Risiko Konstellationen bestehen eher unter Erwachsenen. Eltern dürften nur mit Mund-Nasen-Schutz in die Kita gelassen werden.

 

Wie sind Kinder betroffen?

 

Langzeitschäden bei Kindern sind bislang nicht nachgewiesen, aber es ist möglich, dass überschießende Immunreaktionen ausgelöst werden.

 

Ist die Infektionsgefahr während des Essens höher?

 

Nein.