Team Diversity

Im Rahmen einer Fortbildung, hatte ich die Möglichkeit Silja Korn kennen zu lernen. Silja Korn ist die erste blinde Erzieherin mit staatlicher Anerkennung in Deutschland und arbeitet seit 30 Jahren in diesem Beruf. Als sie mit 17 Jahren beschloss, Erzieherin zu werden, war sie bereits komplett erblindet. Damals war es für sie ein steiniger Weg, sich ihren Traumberuf zu erfüllen. Es gab wenig technische Hilfsmittel für blinde Menschen und Inklusion wurde nur von wenigen Kitas und Bildungseinrichtungen gelebt. Letztendlich fand sie jedoch eine aufgeschlossene Einrichtung, die bereit war das Abenteuer Ausbildung mit ihr anzugehen. Der Leiter einer Fachschule für Erzieher*innen war ebenfalls aufgeschlossen und sie konnte diesen, die Lehrer*innen und Mitschüler*innen mit ihrer Willenskraft davon überzeugen, dass die Ausbildung auch für eine Blinde zu schaffen ist. Die Ausbildung selbst, war für sie mit einem hohen Mehraufwand verbunden, da sie alle Materialien für sich blindengerecht aufbereiten musste.

Die größte Hürde stellte im Anschluss an die bestandene Prüfung, eine Anstellung dar, da die meisten Einrichtungen mit dem Argument, dass sie die Aufsichtspflicht nicht gewährleisten könne, abwinkten. Es fand sich aber auch hier wieder ein Träger, der bereit war, es einfach gemeinsam auszuprobieren und so begann Silja Korn zunächst im Hortbereich zu arbeiten. Mittlerweile ist sie im frühkindlichen Bereich tätig und betreut 1-6 jährige Kinder. Im Laufe der Jahre hat sie sich zur Spracherzieherin weiter gebildet und Sprachförderung zu ihrem Arbeitsschwerpunkt gemacht. Denn um mit ihr in Kontakt zu kommen, müssen Kinder sprechen. Kommunikation mit Mimik oder Gestik  ist ausgeschlossen und so  hat sich in der Kita-Praxis gezeigt, dass selbst Kinder, die sprachliche Schwierigkeiten hatten oder gar nicht sprachen mit Silja Korn sehr schnell verbal kommunizierten, da es schlicht notwendig war. Die Blindheit, die zunächst als Defizit wahrgenommen, wurde so  zum Vorteil für Silja Korn, das Kita-Team und die Kinder. Ich finde, dies  ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, welche Bereicherung  vielfältige Mitarbeiter*innen sein können und wie Inklusion nicht nur in Bezug auf die Kinder gelebt werden kann.